Schimmer und Glanz

2020
Raumzeichnung mit Sound
Wandzeichnung, Spiegel, Gummibänder, Ketten, Folie
Museum Marta Herford

In der Installation Schimmer und Glanz betritt man ein kreuzartig angeordnetes Raumgefüge, dessen zwei gegenüberliegende Spiegelwände die Außengrenzen aufzuheben scheinen. Dagegen suggerieren die senkrecht in einem strengen Raster hängenden Perlenketten immer wieder die reflektierenden Ränder von Glas- oder Spiegelscheiben, die aber tatsächlich nicht vorhanden sind. In der Querachse liegt ein roter Raum der Vergangenheit, geprägt durch das Notationsschema und das Erklingen von Bachs Aria, einem silbernen Raum der Zukunft gegenüber, in dem sich die 32 Variationen entmaterialisieren und vor allem aus ihrer strengen Ordnung befreien.

So entsteht ein fast synästhetischer Raum, der den in Zeichnung übersetzten Klang der Goldberg-Variationen nun ins Dreidimensionale projiziert und erneut zum Klingen bringt. Darin spiegelt sich nicht nur eine historische Komposition in den verweisreichen Großzeichnungen einer Künstlerin, sondern all diese Werke in sich selbst. Denn Spiegelungen sind nicht einfach Verdopplungen, sie sind Umkehrungen, die die Welt in ein Gleichgewicht bringen können, die das eine durch das andere vervollständigen. Spiegelungen können aus der einen Perspektive die Unordnung der Welt noch potenzieren, aus einer anderen Perspektive produzieren sie plötzlich Übersicht und Struktur, machen Komplexität als solche physisch erfahrbar und damit zu einem begreifbaren Phänomen.

Roland Nachtigäller

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