Curitiba Biennale

Der Architekt Daniel Liebeskind über EXISTENZ

Brigitte Waldachs Installation Existenz im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück ist wahrhaft inspirierend. Ihre Technik, mit im Raum verspannten Fäden Bildprojektionen zu erzeugen, ist visuell verblüffend, regt die Betrachterinnen und Betrachter aber gleichwohl zum Nachdenken an. Sie behandelt die Architektur als eine Welt, die von Kräften durchdrungen werden kann, die weit über das Gebäude hinausreichen, und schafft ein eigenes Licht-und-Schatten-Spiel, mit dem sie die Lichtundurchlässigkeit der Wände ausleuchtet. Der entstehende Effekt ist bewegend, denn jede einzelne Linie wird zum Vektor, dessen Ursprung zwar unbekannt ist, dessen Ziel wir aber klar erfassen können. Gleichzeitig korrodiert die verflachte Welt selbst die Untergründe, auf die sie fällt, und streckt ihre Kraft in Richtung einer Zukunft aus, die ebenso obskur ist wie die Vergangenheit unveränderlich. Brigitte Waldach hat eine eindrückliche und originelle Arbeit kreiert, die dem Werk von Felix Nussbaum auf unerwartete Weise neues Leben schenkt – in einem Museum, das ihm gewidmet ist.