Art Berlin 2018

Art Berlin 2018
Bo Bjerggaard Gallery
Brigitte Waldach, Parsifal I und II, 2018

Von Höhe im erschreckenden Sinne des Wortes, von einem Mitwissen und Durchschauen, das eine Seele wie mit Messern durchschneidet – und von Mitleiden mit dem, was da geschaut und gerichtet wird. (Nietzsche über Parsifal)

Über kein anderes Werk der Opernliteratur war sich die Musikwelt so uneinig wie über Richard Wagners letzte Oper Parsifal.
Die Handlung konzentriert sich in dem „Bühnenweihfestspiel“ Parsifal auf nur wenige Personen und auf den bei Wagner immer gegenwärtigen Erlösungsgedanken.
Erlösung und Regeneration der Menschen durch Mitleid – heute würden wir sagen: durch Empathie – dargestellt durch den suchenden Parsifal und den leidenden Amfortas, verführt und welthellsichtig, also wissend, geworden durch Kundry – üben eine entrückende Wirkung auf das Gemüt aus (Wagner).
Schuld und Strafe, Verführung und Widerstand lösen sich schließlich in ihren moralischen Widersprüchen auf, eine Erlösung ins Offene, jenseits aller Religionen.

Meine heutige Faszination gründet sich auf die Aussage aus dem Libretto „…zum Raum wird hier die Zeit“. Meine Zeichnungen „Parsifal I“ und „Parsifal II“ zeigen die drei Protagonisten Parsifal, Amfortas und Kundry inmitten ihres gesungenen Textes beziehungsweise ihrer Handlungsspielräume, die sich wie ein „gekrümmter flexibler“ Raum in eine andere Zeit zu dehnen und uns in unsere Gegenwart zu begleiten scheinen.

Jeder der drei Figuren ist von mir eine Farbe und damit ein emotionales Prinzip zugeordnet: Der „violette“ Parsifal ist die Schnittmenge des weiblichen (Kundry) und männlichen Prinzips (Amfortas), übersetzt in die Farben Rot und Blau; den Original-Libretto-Text hat Richard Wagner übrigens mit lilafarbener Tinte geschrieben.

Parsifal I, 2018
Gouache, Pigmentstift auf Bütten
146 × 140 cm

Parsifal II, 2018
Gouache, Pigmentstift auf Bütten
146 × 140 cm